Ansicht Medina

Zehn Paradiesgefährten

Arab.: al-Ascharat al-Mubascharun bi-l-Dschanna

Nach dem Hadith al-aschara, der in den Sammlungen von vier, der sechs wichtigsten sunnitischen Hadith-Sammlungen (al-kutub as-sitta) erwähnt wird. Man findet ihn z. B. bei: Tirmidhi, Abu Dawud, und Ibn Majah an-Nasa’i. Allerdings erscheint dieser Hadith nicht in den beiden bedeutendsten Sammlungen, die am zuverlässigsten gelten, Bukhari und Muslim.

Laut Aussage des Hadith hat der Prophet Muhammad bereits zu Lebzeiten zehn seiner engsten Gefährten den Eingang ins Paradies vorhergesagt. Zu diesen zehn Paradiesgefährten gehören folgende Persönlichkeiten, wobei die Liste nach sunnitischer Interpretation mit den vier rechtgeleiteten Kalifen (Arab.: raschidun) beginnt:

  • Abu Bakr as-Siddiq
  • Umar ibn al-Khattab
  • Uthman ibn Affan
  • Ali ibn Abi Talib
  • Talha ibn Ubaid Allah
  • Zubayr ibn al-Awwam
  • Abd ar-Rahman Ibn Awf
  • Sa’d ibn Abi Waqqas
  • Abu Ubeida Ibn al-Dscharah
  • Said Ibn Zayd

Nach schiitischer Lehre wird die sunnitische Tradition über die zehn Paradiesgefährten stark in Frage gestellt. Es sei demnach ein Konstrukt der Unterstützer der Dynastie der Umayyaden, die ihre eigene Legitimität dadurch gegenüber schiitischen Ansprüchen stärken wollten. Der entsprechende Hadith habe, so die schiitische Argumentation, keine überzeugende Überlieferungskette (Arab.: isnad) und sei zudem nicht in den wichtigsten Sammlungen von Buchari und Muslim zu finden. Diese beiden Sammlungen gelten als die Hadith-Sammlungen mit der höchsten Zuverlässigkeit. Als weiteres Argument führen Schiiten an, dass die zehn Paradiesgefährten sogar gegeneinander Krieg geführt haben.

Nachweisbar ist, dass in der islamischen Geschichte dieser Tradition erst seit dem 10. Jh. von Sunniten eine hohe Bedeutung zu Teil wurde. Sie wurde immer wieder mit politischen Intentionen gegen den wachsenden Einfluss von schiitischen Dynastien verwendet, um sunnitische Positionen zu stärken. Folgt man der sunnitischen Argumentation, so habe der Prophet mit diesem Hadith bereits seine Nachfolger bestimmt und damit besonders die Autorität der ersten drei Kalifen, Abu Bakr, Umar und Uthman gegenüber dem Anspruch von Ali bestätigt.

Im Koran gibt es allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass der Prophet dieser Gruppe von zehn Gefährten bereits zu Lebzeiten das Paradies versprochen habe. Auffallend ist auch, dass die Tradition der zehn Prophetengefährten vor dem 10. Jh. kaum erwähnt wird und offenbar keine große Bedeutung hatte. Spätestens im 12. Jh. findet man jedoch Bücher, die nur die Legenden und Tugenden der zehn Prophetengefährten zum Thema haben.

Die jeweiligen Überliefererketten der Hadithe, die die zehn Paradiesgefährten behandeln, gehen zurück auf zwei Gefährten des Propheten: Ab dar-Rahman b. Awf und Sa’id ibn Zayd ibn Nufayl. Der letztere hat mit seiner Version eine größere Popularität erreicht und ist daher bekannter.

Neben den Traditionen über die zehn Paradiesgefährten gibt es noch andere Zeugnisse über den Propheten Muhammad, in denen weiteren MuslimInnen das Paradies versprochen wurde, es ihnen vorhergesagt wurde oder sie vor dem Feuer verschont werden. Dazu gehören z. B. alle Kämpfer der Schlacht von Badr und diejenigen, die bei Hudaybiyya dem Propheten die Treue schworen. Auch die Frauen des Propheten und seine Tochter Fatima gehören zu denjenigen, denen das Paradies versprochen wurde.

Sämtliche Männer dieser Liste von zehn Auserwählten gehören zum Stamm der Quraisch. Der Kontext, in dem die Liste jeweils in der Literatur auftaucht, ist immer der, dass sie als die vertrauenswürdigsten Favoriten des Propheten galten und als diejenigen in Frage kamen, die zum Kreis der rechtmäßigen Nachfolger des Propheten gehörten. Möglicherweise hat die Liste in der Frühzeit dazu gedient, den Anspruch der Quraisch gegenüber den Ansar zu behaupten.

Im wachsenden politischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in späteren Jahrhunderten scheint sie jedoch noch mehr Sinn gemacht zu haben. Zudem gehörten die meisten Personen dieser Liste auch der shura an, der Ratsversammlung, die nach dem Tode des Propheten die Nachfolger bestimmte. Sie waren daher von entscheidendem politischen Einfluss in den ersten Jahrzehnten nach dem Tode des Propheten.

Zehn Paradiesgefährten

  • Die Überlieferung der zehn Paradiesgefährten basiert auf einigen Hadithen.
  • Demnach habe der Prophet Muhammad bereits zu seinen Lebzeiten 10 treuen Gefährten das Paradies verheißen.
  • Ihre Zuverlässigkeit wird von Schiiten in Frage gestellt.
  • Erst im 10./11. Jahrhundert scheint diese Tradition bedeutsam zu werden.