Ramadan

 
Ramadan, arab. für Fasten, der Fastenmonat Ramadan. Auf Türkisch heißt es Ramazan. Die arabische Wortwurzel „rmd“ verweist ursprünglich auf die sommerliche Hitze der Arabischen Halbinsel: „erhitzter Boden, Verbranntsein“.

Heute bezeichnet das Wort „Ramadan“ den neunten Monat des islamischen Jahres, den muslimischen Fastenmonat. Das Fasten im Monat Ramadan gilt als die vierte der fünf Säulen des Islam. Für Muslime ist es ein besonders heiliger Monat, der von tiefer Religiosität geprägt ist.

Ursprung: Koran und vorislamische Zeit

Der Ramadan ist der einzige Monat, der im Koran erwähnt wird. Zentral ist Sure 2, 185:

„Der Monat Ramadan, in dem herabkam der Koran
den Menschen als Geleit
und als Beweis für das Geleit und die Entscheidung –
wer in ihm zugegen ist, soll in ihm fasten,
doch wer von euch erkrankt oder auf Reisen ist,
für den ist eine Anzahl anderer Tage möglich.
Gott will für euch das Leichte,
das Schwere will er nicht für euch.
Die Zahl sollt ihr erfüllen
und Gott dafür rühmen, dass er euch geleitet hat.
Vielleicht seid ihr ja dankbar.“

(Quelle, Übersetzung: Hartmut Bobzin. Der Koran, Sure 2; 185)

Erwähnt wird das Fasten (arab. saum oder „siyam“) auch an anderen Stellen im Koran, die an Fastentraditionen in vorislamischer Zeit erinnern. Auch der Monat Ramadan galt bereits in vorislamischer Zeit als heiliger Monat, in dem Waffenstillstand herrschen sollte.

(Quellen: EI2, VIII, 417b, Artikel „Ramadan“. Yves Thoraval. Lexikon der islamischen Kultur. Hamburg 2005, Artikel „Ramadan“, S. 289.)

Religiöse Bedeutung des Monats Ramadan

Für Muslime ist der Monat Ramadan eine besonders segensreiche Zeit:

„Wenn Ramadan beginnt, werden die Tore des Himmels geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Satane in Ketten gefesselt.“

(Sahih al-Bukhari, 12. verbesserte Auflage, Islamische Bibliothek, Düsseldorf 2012: S. 254 Hadith Nr. 1896, nach Abu Huraira)

Der Fastenmonat Ramadan gilt daher als ein besonders heiliger Monat und ist durch intensive Frömmigkeit geprägt. Neben dem intensiven Studium des Korans und der sorgfältigen Beachtung der Gebetszeiten wird beispielsweise auf die Unterweisung junger Muslime in die Glaubenspraxis besonderer Wert gelegt.

Muslime versuchen in diesem Monat, ein besonders mitmenschliches Verhalten im alltäglichen Miteinander zu leben sowie bedürftige Mitmenschen durch Spenden und gute Taten zu unterstützen.

Wie bei der der großen Pilgerfahrt (Hadsch), führt das Fasten im Monat Ramadan, zu einem Gefühl des Zusammenhalts. So ist in vielen Regionen die Zeit des Ramadans auch eine Chance, aktuelle Konflikte beizulegen.

Auch das öffentliche Leben ist in mehrheitlich muslimischen Ländern auf die religiösen Ziele und die körperlichen Belastungen im Monat Ramadan ausgerichtet. Firmen, Behörden und öffentliche Institutionen haben verkürzte Öffnungs- und Arbeitszeiten. Manche Geschäfte sind tagsüber ganz geschlossen. Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen senden verstärkt Programme mit religiösen Themen. In zahlreichen Moscheen finden Koranrezitationen und Vorträge statt. Während der Tag zum Ruhen und zur religiösen Besinnung genutzt wird, sind die Nächte häufig sehr lebhaft. Man bricht gemeinsam mit Freunden das Fasten, geht zum Gebet und feiert.

(Quelle: Khoury/Hagemann/Heine: Islam-Lexikon. Freiburg u.a. 1991, Artikel „Fasten“.)

Regeln und Riten im Monat Ramadan

Zahlreiche Bestimmungen ordnen den zeitlichen Ablauf, sowie das korrekte religiöse Fasten und Verhalten im Monat Ramadan.

So ist eine umfangreiche Literatur um die Bestimmung des Beginns und des Endes des Monats Ramadan und dem Anfang und Ende des jeweiligen Fastentages entstanden. Die exakte Bestimmung von Gebetszeiten, Monaten und Festtagen hat seit der Entstehung des Islam insbesondere die Wissenschaften Mathematik, Astronomie und Geografie in der islamischen Welt vorangetrieben.

Muslime erleben zudem über die Jahre ein besonderes Phänomen. Alle muslimischen Festtage, einschließlich von Ramadan oder der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) liegen einmal im Sommer und dann wieder im Winter. Woran liegt dies? Sonnenkalendersysteme wie der in Deutschland gültige Kalender, sind nach dem Verlauf der Sonne ausgerichtet sind. Die Monate liegen fest im Verhältnis zu den Jahreszeiten und ein Sonnenjahr dauert etwa 365 Tage. Da der islamische Kalender jedoch nach dem Mond ausgerichtet ist, dauert das islamische Jahr nur 354 Tage und 8 Stunden. Das islamische Jahr ist um etwa 10-11 Tage kürzer als das Sonnenjahr, mit seinem an die Länge der Jahreszeiten angepassten Verlauf. Im Verhältnis zum Sonnenkalender, verschieben sich die Termine islamischer Festtage und Monate daher um ca. 10-11 Tage.

Der Monat Ramadan beginnt deswegen mit der Morgendämmerung nach dem Erscheinen des Neumondes. An verschiedenen religiösen Zentren der islamischen Welt berechnen Gelehrte jeweils den Beginn und das Ende des Ramadans. Entsprechend der geografischen Position kann daher der Beginn und das Ende des Ramadans leicht abweichen.

Vor der Morgendämmerung nehmen Fastende noch ein kurzes Mahl ein. Zudem verkünden Fastende mit einer Absichtserklärung (arab. niya) ihr Fasten. Die islamischen Rechtsschulen urteilen jedoch unterschiedlich darüber, ob dies täglich notwendig ist oder nur einmal, am Anfang des Monats, von den Gläubigen verkündet werden muss.

Der Beginn und das Ende des täglichen Fastens im Ramadan wird durch den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang bestimmt.

Zum Sonnenuntergang versammeln sich die Gläubigen häufig auch zum gemeinsamen Abendgebet. In manchen Regionen künden lange Koranrezitationen über die Lautsprecher der Moscheen die Zeit an. Den offiziellen Sonnenuntergang signalisieren anschließend an manchen Orten Salutschüsse, wie z.B. in Sanaa im Jemen oder Ankündigungen über die Medien. Anschließend wird eine leichte Mahlzeit eingenommen, um den Magen vorsichtig wieder an die Aufnahme von Speisen zu gewöhnen. Häufig ist es üblich, etwas Wasser und ein paar Datteln als erste Speise zu sich zu nehmen. Später folgt eine umfangreiche Mahlzeit.

Die Fastenden dürfen tagsüber weder essen noch trinken, keinen Geschlechtsverkehr haben und keinen sinnlichen Genüssen nachgehen, etwa Rauchen oder Musik.

In der Regel sind alle erwachsene Muslime zum Fasten im Monat Ramadan verpflichtet. Kinder fasten, soweit sie es können und keinen körperlichen Schaden erleiden. Überhaupt betonen Koran und Sunna, dass durch das Fasten keine körperlichen Schäden drohen oder entstehen dürfen.

Es gibt daher ausdrückliche Verbote und Ausnahmeregelungen: Schwangere, Stillende und Frauen in der Menstruation dürfen nicht Fasten. Alle Muslime, die entsprechend ihres körperlichen Zustandes oder krankheitsbedingt Schaden durch das Fasten erleiden könnten, dürfen ebenfalls nicht fasten. Versäumte Fastentage sollten jedoch nachgeholt werden, sobald man dies kann oder die Gründe aufgehoben sind. Auch durch zusätzliche Spenden kann man versäumte Tage wieder gut machen.

Für muslimische Reisende und Berufe, die Schwerstarbeiten ausführen, gelten ebenfalls Ausnahmeregelungen.

Wichtige Tage während des Fastenmonats Ramadan

Im Fastenmonat Ramadan erinnern sich viele Muslime an besonders wichtige Ereignisse und Personen der islamischen Geschichte. Im laufenden Jahr:

  • 1. Ramadan: Beginn des Ramadan
  • 10. Ramadan: Khadidscha (gest. 619)
  • 17. Ramadan: Schlacht von Badr (624), Wendepunkt im Kampf zwischen Muhammad und seinen Gegnern.
  • 19. Ramadan: Einnahme von Mekka (630)
  • 21. Ramadan: Martyrium von Ali b. Abu Talib (gest. 661)
  • 21. Ramadan: Martyrium von Imam Ali ar-Rida (gest. 818) 8. Imam
  • 22. Ramadan: Geburtstag von Ali b. Abu Talib (600-661)
  • 27. Ramadan: Laylat al-Qadr, Nacht der Offenbarung des Korans
  • Ende des Ramadan: Id al-Fitr, das kleine Fest, Fest des Fastenbrechens
Verwandte Themen
Filter by
Post Page
Sort by