Husayn ibn Ali

Imam al-Husayn ist der Enkel des Propheten Muhammad (gest. 632). Er ist der jüngste Sohn seiner Tochter Fatima (gest. 632) und Ali ibn Abi Talib (gest. 661), dem vierten rechtgeleiteten Kalifen (nach sunnitischer Tradition). Husayn gilt als dritter Imam in der schiitischen Tradition nach seinem Vater Ali, dem ersten Imam, und seinem älteren Bruder Hasan ibn Ali (gest. 670 oder 678). Imam al-Husayn lebte von 625 bis zu seinem Martyrium bei Kerbala im Jahre 680.

Imam al-Husayn und sein Martyrium bei Kerbela

Imam al-Husayn verweigerte dem zweiten umayyadische Kalif Yazid I. (gest. 683) nach dessen Amtsübernahme im Jahre 680 den Treueid. Da sein Wohnort in Medina daraufhin nicht mehr sicher war und er um sein Leben fürchten musste, zog er nach Mekka um.

Mekka galt bereits in vorislamischer Zeit als heiliger Ort, an dem man Zuflucht und Asyl erhielt. Imam al-Husayn wurde daraufhin von den Gegnern Yazid’s nach Kufa eingeladen und nahm diese Einladung an. Auf der Reise dorthin wurde seine Karawane jedoch bei Kerbela von einer Armee der Umayyaden abgefangen. Imam al-Husayn fiel in dem Gefecht und wurde enthauptet. Der Aufstand von Kufa gegen die Umayyaden brach daraufhin zusammen.

Die Bedeutung von Imam al-Husayn für Schiiten

Schiiten verehren Imam al-Husayn bis zum heutigen Tage und gedenken seinem Martyrium (Schahada), sowie seiner Standhaftigkeit gegen den aus ihrer Sicht nicht legitimen Herrschaftsanspruch der Umayyaden auf das Kalifat und die Führung der Muslime. Schiiten erinnern sich an seine Ermordung bei Kerbela am zehnten Tag des Monats Muharram, der daher auch Aschura genannt wird. Sein Tod wurde zum Symbol für zahlreiche weitere Aufstände gegen die Herrschaft der Umayyadendynastie und führte schließlich zur abbasidischen Revolution, die das Kalifat der Umayyaden von Damaskus im Jahre 750 beendete.

Für Schiiten gilt Imam al-Husayn bis zum heutigen Tage als Fürst der Märtyrer (arab. sayyid asch-schuhada). Das Grab von Imam al-Husayn bei Kerbela wurde daher auch zur am meisten besuchten Wallfahrtsstätte der Schiiten. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Grab immer wieder zum Ausgangsort von schiitischen Oppositionsbewegungen gegen die amtierenden muslimischen Herrscher. So zerstörte der Kalif al-Mutawakkil (gest. 861) im Jahre 850 den Schrein von Kerbela, um schiitischen Pilgerfahrten zu diesem Schrein und die damit verbundene Gefahr von Revolten zu beenden.

Über den Verbleib des Hauptes von Imam al-Husayn gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Nach einer weit verbreiteten Version wurde sein Kopf zunächst zum umayyadischen Statthalter von Kufa und anschließend zum Kalifen Yazid I. nach Damaskus gebracht, wo er schließlich blieb. Nach einer anderen Tradition wurde er seinen Angehörigen in Kufa wieder zurückgeben. Allerdings findet man heute auch in Kairo einen Märtyrerschrein nahe der al-Azhar Universität, wo das Haupt von Imam al-Husayn aufbewahrt und verehrt wird. Weitere überlieferte Orte für den Verbleib des Kopfes von Imam al-Husayn sind: Medina, Nadschaf, Kerbela, Raqqa und Marw.