Hasan ibn Ali

Imam Hasan ibn Ali (624-670 oder 678) ist der älteste Sohn aus der Ehe der Prophetentochter Fatima mit dem vierten Kalifen Ali ibn Abu Talib. Für Schiiten gilt dieser Enkel des Propheten Muhammad als zweiter Imam und damit als rechtmäßiger Nachfolger des Propheten in der Führung der Muslime.

Der Kampf von Imam Hasan ibn Ali um das Kalifat

Nach der Ermordung seines Vaters Ali im Jahre 661, sammelten sich seine Anhänger um Hasan, um den Kampf gegen den umayyadischen Statthalter von Damaskus Muawiya (gest. 680) fortzusetzen, der selbst das Amt des Kalifen für sich forderte. Es kam jedoch nicht zu weiteren Schlachten und Imam Hasan ibn Ali überließ schließlich dem Umayyaden Muawiya die Herrschaft und das Kalifat. Über die Motive und historischen Abläufe berichten islamische Quellen unterschiedlich.

Schiitische Quellen betonen die Friedensliebe von Imam Hasan und seinen Widerwillen, weiterhin einen Kampf unter Muslimen fortzuführen. Möglicherweise hielt Imam Hasan auch seine militärische Ausgangsposition für aussichtslos, so dass er eine diplomatische Lösung suchte. Imam Hasan verzichtete schließlich nach sechs Monaten auf seinen Anspruch auf das Kalifat zu Gunsten von Muawiya, der anschließend als erster Kalif der umayyadischen Dynastie die Geschichte des islamischen Weltreiches entscheidend prägte.

Nach dieser kurzen politischen Aktivität lebte Hasan bis zu seinem Tode in Medina als wohlhabender Mann. Durch seine zahlreichen Ehen, Scheidungen und Nachfahren, erhielt er von muslimischen Autoren den Beinamen „der Ehescheider“ (arab. al-mitlaq).

Schiiten interpretieren den Rückzug von Imam Hasan nicht als Verzicht auf die Führung der Muslime und den Herrschaftsanspruch über das islamische Reich. Für sie gilt er weiterhin als rechtmäßiger zweiter Imam und Nachfolger von Imam Ali im Kalifenamt. In den islamischen Quellen gibt es daher auch Hinweise auf einen gewaltsamen Tod des Imams Hasan durch Vergiftung, da der wesentlich ältere umayyadische Kalif Muawiya I. eine sichere Amtsübernahme von seinem Sohn Yazid I. (gest. 683) herbeiführen wollte. Mit der Vergiftung von Imam Hassan soll Muawiya I. somit jegliche noch schlummernden Ansprüche des jüngeren Imam Hasan auf die Macht verhindert haben.