Hārūn ar-Rašīd

Hārūn ar-Rašīd (arabisch: هارون الرشيد) war ein berühmter Kalif der Abbasiden und ist heute besonders als Protagonist der „Märchen aus 1001 Nacht“ bekannt. Diese märchenhafte Berühmtheit führt allgemein dazu, dass heute schwierig zu unterscheiden ist, welche Überlieferungen über ihn Fakt und welche Fiktion sind. Erschwerend kommt hinzu, dass noch nicht einmal das genaue Geburtsjahr des Kalifen vor über 1200 Jahren (vermutlich 149 nach Hidschra; 766 nach Christus) bekannt ist. Harun ar-Rašīd war der fünfte Herrscher der Abbasiden, einer Dynastie, die auf die Umayyaden folgte und unter anderem die heutige Hauptstadt des Irak, Bagdad, gegründet hat.

Mit 21 Jahren zum Kalifen ernannt

Früh wurde Harun als Heerführer in militärische Kampagnen gegen das Byzantinische Reich geschickt, mit dem es immer wieder zu Kriegen oder Auseinandersetzungen kam, da beide Reiche aneinandergrenzten. Als er vermutlich in einem Alter von nur 21 Jahren zum Kalifen ernannt wurde, glaubten nicht wenige Mitglieder des Hofes, dass er nicht lange an der Macht sein wird. Doch vor allem mit der Hilfe seiner Mutter namens al-Khaizuran wurde er zu einem sehr starken Herrscher.

Hārūn ar-Rašīd: Wissenschaft trug den Namen in die Welt

Sein muslimisch geprägtes Reich verlief vom heutigen Algerien über Westasien und Persien bis nach Ostturkestan, die von seinem Großvater gegründete Hauptstadt Bagdad war zu dieser Zeit ein Zentrum der Wissenschaften. Die Errungenschaften in Grammatik, Mathematik, Astronomie, Theologie, Übersetzungswissenschaft und Philosophie sind bis heute von großer Bedeutung. Auch trugen die Wissenschaften den Namen Hārūn ar-Rašīds in alle Himmelsrichtungen.

Er entschied sich, Hof – inklusive aller Bediensteten, Berater*innen und Familienmitglieder (in „Märchen aus 1001 Nacht“ wird dies oft generalisierend als „Harem“ bezeichnet) – in die syrische Stadt ar-Raqqa zu verlegen. Denn obwohl der Kalif in Märchen eben oft märchenhaft dargestellt wird, gilt seine Regierungszeit allgemein als das Ende der abbasidischen Blütezeit. Das Kalifat hatte in Syrien (Šām), Tunesien (Ifrīqiya), Jemen (Yaman), Chorasān (heutiges Usbekistan, Afghanistan), Ägypten (Misr) und anderen Regionen dauerhaft mit Aufständen und Rebellionen zu kämpfen.

Kunst- und Kulturmäzen Hārūn ar-Rašīd

Oft hatte das steuerliche Gründe oder lag an der Vernachlässigung dieser Gebiete durch den Kalifen, seine Minister und seine Statthalter – vor allem in Syrien gab es noch immer große Sympathien mit der Dynastie der Ummayaden.

Viele Quellen berichten davon, dass Harun stets große Summen an Gold und Münzen an arme Menschen gegeben hat und besonders Kunst und Kultur stark gefördert hat, weshalb er bis heute in den Köpfen nicht weniger Menschen einen sehr guten Ruf genießt.

Zwist zwischen Söhnen nach dem Tod von Hārūn ar-Rašīd

Für das Reich hat er jedoch einige schwerwiegende Entscheidungen getroffen. Historiker*inner sind sich besonders bei einer Fehlentscheidung einig: anstatt einen Nachfolger zu ernennen oder wählen zu lassen, teilte er das Reich unter seinen Söhnen auf. So kam es, dass ein Teil des großen Reiches an den Sohn Abu Musa Muhammad al-Amīn und der andere Teil an den Sohn Abu-al Abbas Abdallah, genannt al-Ma’mun, gegeben wurde.

Nach Hārūn ar-Rašīd’s Tod kam es zum Bürgerkrieg und seine beiden Söhne bekämpften sich, bis al-Amīn von seinem Bruder al-Ma’mun getötet wurde, wonach das abbasidische Reich in den folgenden Jahren schnell an Bedeutung verlor und durch neue Reiche abgelöst wurde.

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