© Wing-Chi Poon [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Kafir

(Pl. kuffar, kafirun) „Ungläubiger“, „Gottesleugner“

Ein „Kafir“ wird am Tag des Jüngsten Gerichtes (yaum ad-din) bestraft und in die Hölle (djahannam) geschickt.

Strittig ist seit der Frühzeit des Islams, ob ein Muslim zum Ungläubigen wird, wenn er eine schwere Sünde (haram) begeht oder aber ein Muslim bleibt, der auf Vergebung hoffen darf.

Kafir in der sunnitischen und schiitischen Rechtsschule

Hier urteilen die sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen sehr unterschiedlich.

(Quelle: Encyclopaedia Islamica New Edition, Artikel „Kafir“)

So halten Ibaditen, eine wichtige Rechtsschule der Schiiten im Oman und Ostafrika, sogar alle Muslime für Ungläubige, die mit einer Sünde sterben, welche sie nicht im Leben bereut haben.

Bereits in den ersten Jahrhunderten der islamischen Geschichte wird die schwere Anschuldigung „kafir“ von Muslimen auch häufig gegen andersdenkende Muslime verwendet.

(Quelle:Encyclopaedia Islamica New Edition , Artikel: „Kafir“)

Wird jemand als „kafir“ bezeichnet, so nennt man den Vorgang „Takfir“.

(Quelle: Accusation of Unbelief, Leiden 2016)

Kafir und fundamentalistische Strömungen

Die meisten fundamentalistischen Strömungen des Islam, sowie zahlreiche Islamisten und Salafisten greifen diese Tendenz auf. Muslime verlieren ihren Glauben (iman), wenn sie eine schwere Sünde (haram) begehen. Darüber hinaus erklären sie pauschal alle, die nicht ihren strengen Glaubensregeln folgen, zu Ungläubigen und Feinden des Islams.

So ist „kafir“ auch in der aktuellen politischen Debatte sehr bedeutend. Für Islamisten und Salafisten ist er ein wichtiger Begriff ihres Weltbildes: Sie greifen mit „kafir“ gerne andersdenkende Muslime sowie pauschal auch Nicht-Muslime an.

(Quelle: Adang, Ansari, Fierro, Schmidtke (Hg), Accusations of Unbelief, Leiden 2016)

Kafir in Koran und Sunna

Mit „Kafir“ werden in Koran und Sunna ebenfalls Christen und Juden in zahlreichen Stellen scharf angegriffen und verurteilt. Auf diese Textstellen baut eine über Jahrhunderte andauernde Polemik auf, die Christen und Juden als Ungläubige bezeichnen.

(Quelle: EI 2, Artikel: „Ahl al-Kitab“ und „Kafir“)

In der islamischen Geschichte gibt es jedoch zahlreiche Beispiele für einen pragmatischen und relativ toleranten Umgang mit christlichen und jüdischen Bevölkerungsgruppen im Herrschaftsbereich eines muslimischen Regenten. Wahhabiten oder Salafisten verurteilen jedoch Christen und Juden pauschal als Ungläubige.

Auch im heutigen Alltag gebrauchen Muslime „kafir, kuffar“ als üble Nachrede gegen Andersdenkende.

Kafir im Überblick

  • „Kafir“ bedeutet Ungläubiger oder Gottesleugner.
  • Der „Kafir“ wird am „Jüngsten Tag“ schwer bestraft und in die Hölle geschickt.
  • Muslime sind uneinig, ob ein Muslim als Kafir seinen Glauben verliert oder aber ein Muslim bleibt und auf Vergebung hoffen darf.
  • Als schweren Vorwurf wenden Muslime „Kafir“ auch untereinander an, um Andersdenkende zu verunglimpfen.
  • Salafisten halten nicht nur Juden und Christen pauschal für Ungläubige, sondern auch Muslime, die salafistische Positionen ablehnen.
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