Din

Arab.: „Religion, Glaube, (auch: Gericht, Gesetz, Schuld)“, türk.: „Dîn“, engl.: „Deen“

Das Wort Dīn ist ein bekannter Begriff, islamischer Kontexte, welcher 92-mal im Quran vorzufinden ist und gleichzeitig in vielen Hadithen und Abhandlungen von Gelehrt*innen eine zentrale Rolle einnimmt.

In der 109. Sure des Korans im sechsten Vers heißt es:

لَكُمۡ دِينُكُمۡ وَلِيَ دِينِ

im arabischen Original kommt Dīn zwei Mal vor und wird sehr unterschiedlich übersetzt. „Euch eure Religion und mir meine Religion“ ist dabei eine gängige Deutung von den Übersetzern Bubenheim und Elyas, die das ursprünglich lateinische Wort „religio“, welches unter anderem mit „Sorgfalt“ übersetzt werden kann, verwenden. Andere Übersetzungen der erwähnten Aya lauten z.B.: „Ihr habt euren Weg und ich habe meinen Weg“ wobei Weg oft gleichgesetzt wird mit Glaube oder „Euer Glaube ist euer und mein Glaube ist meiner“.

Der schafiitische Gelehrte Ǧalāl ad-Dīn as-Suyūṭī (in dessen Namen „Dīn“ steckt mit der ungefähren Bedeutung „Pracht (oder Erhabenheit) des Glaubens“) schrieb in seinem Werk Asrār Tartīb al-Qur’ān (Geheimnisse in der Reihenfolge des Korans), dass die Suren 108 und 109 als etwas Zusammenstehendes betrachtet werden sollen und das Dīn hier so verwendet wird, dass der Prophet Muhammad sich vom Unglauben distanziert und seinen Dīn hat, während die „Leugner“ ihren Dīn, Glauben (oder Religion) haben.

Dīn – Religionsbegriff wird unterschiedlich ausgelegt

Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch wird man sich schnell einig, dass es sich bei Islam und zum Beispiel Judentum einfach gesprochen um Religionen handelt. Aus diesem und vielen anderen Gründen wird der arabische Begriff „Dīn“ im Englischen, Französischen, Russischen oder auch Deutschen meistens auch genauso übersetzt: Religion.

Es gibt unterschiedliche islamisch-muslimische Einwände gegen die Verwendung des Religionsbegriffes. Als Beispiel wird nicht-muslimischer Seite davon ausgegangen, dass der Islam ausschließlich die Religion Muhammads sei, während muslimische Gelehrt*innen seit über 1400 Jahren darauf verweisen, dass aus islamischer Sicht alle vorherigen Propheten wie Abraham, Moses oder auch Jesus Anhänger*innen des Islams und damit Muslim*innen waren. Und die Botschaft Muhammads dabei als die eigentliche Botschaft Allahs gilt und keine neue „Religion“ ist.

Als von der arabischen Wurzel (d-y-n) abgeleitetes Wort hat der Begriff Dīn noch weitere Bedeutungen, die der zeitgenössische Gelehrte Hamza Yusuf Hanson wie folgt in einen Zusammenhang bringt:

  • Menschen haben Segen vom Schöpfer bekommen und sind Gott deshalb Gehorsam (Islam) schuldig (Dīn)
  • Dīn ist verbunden mit dem Thema Disziplin/Erziehung (seine*ihre Seele zu disziplinieren)
  • In Verbindung mit Yaum ad-Dīn (ein weiterer Name für den Tag des Jüngsten Gerichts) als „der Tag, an dem die Schulden fällig werden“ (Tag der Rechenschaft)
  • Dīn als wiederkehrender Regen, der die Erde zu neuem Leben verhilft, gemeint ist die „ununterbrochene (Überlieferungs-)Kette seit Adam“, also Judentum, Christentum und Islam bekannten Propheten und Gesandten

Dīn hat folglich mehr Bedeutungsebenen, als der Begriff „Religion“ auszudrücken kann. Hinzu kommt, dass das allgemeine Verständnis von Religion und Religionen geographisch sehr unterschiedlich sein kann. Da in Dīn auch etwas von „Gesetz“ steckt, ist die Verbindung von Religion und „Gesetzen“ im Islam (aber auch im Judentum als weitere „Rechtsreligion“) stärker gegeben, als zum Beispiel in reformierten Nationalkirchen.

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