Shirk

Arab.: „Gott etwas zugesellen“, „Vielgötterei“, „Polytheismus“

Der arabische Begriff „shirk“ bezeichnet im Koran den Glauben an die Existenz von anderen Göttern neben dem einzigen Gott (arab. Allah). Übersetzt werden kann der Begriff mit: Gott etwas zugesellen (z.B. andere Götter) oder Vielgötterei (Polytheismus).

Nur an zwei Stellen kommt das Wort „shirk“ im Koran in der Bedeutung „Polytheismus“ vor. Hinzu kommen jedoch zahlreiche Stellen, in denen von Polytheisten (mushrikun) und ihrem Handeln die Rede ist.

Shirk in der islamischen Theologie

„Shirk“ ist von großer Bedeutung in der islamischen Theologie. Der Begriff steht im vollkommenen Gegensatz zum ersten Teil des islamischen Glaubensbekenntnis: : lā illāha ill `llāh „es gibt keinen Gott außer Gott“. Mit diesem Bekenntnis betonen Muslime ihren Glauben an die Einheit Gottes (tauhid). Gott etwas beigesellen, ist laut Koran die schlimmste Form des Unglaubens (kufr). Vgl. z.B.: Sure 4:48, 116. Gott verzeiht alle Sünden, nur nicht „shirk“, worauf die Todesstrafe folgt.

Anhänger der Buchreligionen, wie Juden und Christen, wird ein Sonderstatus eingeräumt, solange sie bereit sind, die Schutzsteuer (djizya) zu zahlen (Sure: 9,5 und 25). Der Koran urteilt hier jedoch uneinheitlich, ob Buchreligionen zu den Götzenanbetern (mushrikun) gehören oder nicht.

Shirk und Anhänger fundamentalistischer Bewegungen

Zentral ist die Deutung von „shirk“ für die Anhänger fundamentalistischer Bewegungen, wie den Wahhabiten Saudi Arabiens und heutigen salafistischen Strömungen. Sie legen besonderen Wert auf das Bekenntnis von der Einheit Gottes (tauhid). Sie vertreten ein radikales duales System: Juden, Christen, Schiiten und die Anhänger des Sufismus lehnen sie ab. Für Wahhabiten und Salafisten sind sie Polytheisten bzw. Götzenanbeter (mushrikun).

Salafisten übertragen „shirk“ auch auf Strukturen und Prinzipien, die das Leben in heutigen modernen Staaten und Gesellschaften regeln: die allgemeinen Menschenrechte, Religions-, Gewissens- und Meinungsfreiheit sind für Salafisten Ersatzreligionen und damit „shirk“ bzw. Götzenherrschaft (hukm al-taghut). Dazu zählen auch die säkulare Rechtssprechung und die Verfassungen.

Mittlerweile gibt es jedoch auch im Salafismus und unter Muslimbrüdern Gruppen, die pragmatischer denken. Sie gründen Parteien, stellen Kandidaten auf und beteiligen sich an Wahlen.

Shirk im Überblick

  • „Shirk“ bedeutet Gott etwas zugesellen bzw. Vielgötterei, Polytheismus.
  • Es ist der direkte Gegensatz zum ersten Teil des muslimischen Glaubensbekenntnisses: Dem Glauben an die Einheit Gottes.
  • Damit ist es die schlimmste Form des Unglaubens. Sie wird mit dem Tod bestraft und nicht verziehen.
  • Der Koran urteilt nicht einheitlich darüber, ob Christen und Juden zu den Polytheisten gehören.
  • Für Wahhabiten und Salafisten gehören andere Religionen und moderne Konzepte, wie Demokratie oder Menschenrechte zu „shirk“.
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