Nashid

Arab.: „Religiöser Sprechgesang, Hymne“ (Pl. anashid)

Bereits in früharabischen Enzyklopädien zur Musikgeschichte wird der Begriff „nashid“ erwähnt. Er steht für verschiedene Formen des Sprechgesangs, die mit oder ohne Musikbegleitung auch als Einleitung für andere Formen von Gesangs- und Musikdarbietungen dienten.

Nashid ist im heutigen Alltag im Mittleren Osten ein vielfältiges Genre des a-cappella-Sprechgesangs mit oder mit wenig musikalischer Begleitung. Es gibt z.B. religiösen Nashid, der sufistischen Ursprungs ist, Hochzeitsgesänge und politischen Nashid.

Der politisch-religiöse Nashid

Von besonderer Bedeutung ist der in den 1970er Jahren unter Muslimbrüdern populär gewordene politisch-religiöse Nashid. Große Verbreitung hat Nashid auch unter studentischen Organisationen gefunden, die eine stark restriktive Wertung über Kunst und Musik vertreten, die an von ihnen gesetzten islamischen Normen bewertet wird. Seit 1987 gewinnt der revolutionär-militärische Nashid auf Musikfestivals zu Palästina immer mehr an Einfluss.

Nashid wird heute von Männern oder Kindern vorgetragen. Neben Lobeshymnen auf Gott und den Propheten werden damit in islamistischen Millieus (z. B. Salafismus) auch Inhalte ihrer Ideologie verbreitet. So nutzen Salafisten den dschihadistischen Nashid z.B. zur Herabwürdigung von und Angriff gegen Nicht-Muslime (kufar), als Kampfaufruf gegen den Westen oder demokratische Gesellschaften und Kriegspropaganda.

Nashid im Überblick

  • „Religiöser Sprechgesang, Hymne“: bereits in früharabischen Werken zur Musik mit verschiedenen Stilen erwähnt.
  • Heute existieren verschiedene Genre, z.B.: religiöse Nashid des Sufismus, politisch-religiöse Nashid der Muslimbrüder und der dschihadistische Nashid.
  • Seit den 1970er ist Nashid als männlicher Sprechgesang mit wenig oder ohne Musik unter Islamisten populär.
  • Salafisten nutzen den dschihadistischen Nashid zur Kriegspropaganda und Kampfaufrufen gegen aus ihrer Sicht „Ungläubige“ (kufar).
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