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Wo finde ich Informationen über den Propheten Muhammad?

Die wichtigsten Quellen über den Propheten Muhammad findet man in arabischen Handschriften. Sie bieten umfangreiche und detailreiche Informationen. Das Leben des Propheten mit all seinen Taten und Aussprüchen ist Muslimen bis heute ein Vorbild für ihre eigene Lebensführung sowie die Interpretation des Korans. Daher haben die ersten Muslime bereits zu Lebzeiten des Propheten viele Berichte (Hadithe) in der sogenannten Sunna gesammelt. Später kamen Biografien über den Propheten hinzu. Hier findest du die wichtigsten Quellen.

Informationen aus dem Koran

Zahlreiche Stellen im Koran beinhalten Informationen zum Leben und Wirken Muhammads sowie seine Umwelt und die frühe muslimische Gemeinde. Sie erlauben Rückschlüsse auf das soziale und religiöse Leben in Mekka und Medina. Allerdings fehlen im Koran häufig wichtige Hinweise auf Ort und Zeit; muslimische Gelehrte wie Islamwissenschaftlerinnen bemühen sich daher seit jeher, die Offenbarungen chronologisch zu ordnen. Um die Offenbarungsanlässe (arab.: ᵓasbāb an-nuzūl) ist eine eigene islamische Wissenschaft entstanden. Neben zahlreichen Widersprüchen gibt es hinsichtlich der medinensischen Suren auch Übereinstimmungen unter den Gelehrten, zum Beispiel:

  • Sure 8: Schlacht von Badr
  • Sure 33: Grabenkrieg
  • Sure 48: Vertrag von Hudaibiya

Viele muslimische Gelehrte deuten alle Suren, in denen eine „Du“-Anrede zu finden ist, auf den Propheten Muhammad bezogen, z.B. Sure 93, in der Vers 6 auch so gedeutet wird, dass der Prophet Muhammad als Halbwaise oder Waise zur Welt gekommen ist.

Weitere Stellen, die nach vielen muslimischen Gelehrten wichtige Aussagen über den Propheten Muhammad treffen, sind:

  • Muhammad ist ein Mensch: Sure 41:6
  • Muhammad ist ein Gesandter: Sure 3:144
  • Offenbarungserlebnis, Beginn der Prophetie: Koran 96:1-5 und 74: 1-7

Zahlreiche Koranstellen zeigen Muhammads Wirken als Gestalter einer neuen Gemeinschaft von Gläubigen:

  • Der Aufbau und die Organisation einer Gemeinschaft (arab.: umma): Koran 8:1, 4:80, 24:56
  • Muhammad erwartete Gehorsam: Koran 3:32.132, 4:59, 5:29, 8:20.46, 24:54
  • Die Menschen erwarteten von ihm Antworten auf Rechts- und Glaubensfragen: Koran 2:217, 2:222, 33:63
  • Seine persönliche Lebensführung gilt als Vorbild: Koran 33:21
  • Sure 10:16 wird so gedeutet, dass er mit 40 Jahren seine erste Offenbarung erhalten hat, da der arabische Ausdruck „ein Leben lang“ nach dem damaligen Denken etwa 40 Jahre umfasste.

Informationen aus der Sunna

Neben den Texten der Offenbarungen, die im Koran gesammelt wurden, gibt auch das Leben des Propheten Muhammads – sein Verhalten, seine Worte, seine Gewohnheiten – wichtige Orientierung für theologische und rechtliche Folgerungen und das eigene persönliche Glaubensleben. Zehntausende dieser Berichte (arab.: hadith, Pl.: ahadith) wurden von den ersten Generationen der Muslime nach Muhammads Tod gesammelt und allmählich in großen Sammlungen zusammengetragen.

Diese vielfältige gesammelte Lebenspraxis des Propheten Muhammad bezeichnen Muslime als Sunna (Gewohnheit, Brauch). Für Muslime wurde die Sunna zur zweiten heiligen Quelle neben dem Koran.

Mündliche Überlieferungen hatten in Arabien einen hohen Stellenwert und eine Tradition, die schon lange vor dem Propheten Muhammad bestand, um Wissen weiter zu vermitteln. So wird im Koran selbst in Sure 20:9 auf einen Hadith über den Propheten Musa verwiesen. Im islamischen Lehrbetrieb galt mündliche Wissensvermittlung sogar lange Zeit als zuverlässiger und höherwertiger als Schriften. Dennoch gab es neben der mündlichen Tradition auch schon schriftliche Aufzeichnungen. So heißt das arabische Wort kitab nicht nur Buch, sondern auch ganz allgemein schriftliche Aufzeichnung. Sehr wahrscheinlich sind einige Hadithe bereits zu Lebzeiten des Propheten Muhammad niedergeschrieben worden. Andere Hadithe basieren auf einer Jahrhunderte langen mündlichen Tradition.

Die Prophetenbiografien: Sira an-nabawiya

Die wichtigste Prophetenbiografie stammt aus der Feder von Ibn Ishaq (gest. 767/68), die durch Ibn Hisham (gest. 828/34) überarbeitet wurde. Gernot Rotter hat diese unter dem Titel „Das Leben des Propheten“ 1976 aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt.

Ibn Ishaq scheint der Erste gewesen zu sein, der eine Vielzahl von Texten zu Muhammads Lebensgeschichte und damit zu einem Lebenslauf (arab. sira) ordnete. Etwa ein Drittel seiner Quellen sind Hadithe aus der medinensischen Zeit. Weiter hat Ibn Ishaq Erzählungen von Juden und Christen in seine Prophetenbiografie aufgenommen sowie Dokumente wie die Gemeindeordnung von Medina oder Listen von bestimmten Personengruppen, wie die von den ersten MuslimInnen, die auf Rat des Propheten Zuflucht beim christlichen Kaiser in Äthiopien suchten. Hinzu kommen zahlreiche Gedichte.

Damit setzt Ibn Ishaq viele Ereignisse aus dem Leben des Propheten zu einer zeitlichen Reihabfolge zusammen und verknüpft sie mit Suren des Korans, die zunächst wenig oder keinen offensichtlichen Bezug zu einem Lebensabschnitt des Propheten Muhammad zeigen.

Ibn Hisham knüpfte drei Generationen später an Ibn Ishaqs Werk an und kürzte dessen umfangreiches Werk. Auch seine Fassung ist bis heute sehr populär.
Die Historie von at-Tabari

Abu Dschafar Muhammad at-Tabari (gest. 923) war ein Spezialist für Überlieferungen über den Propheten und die Auslegung des Korans. Zu beiden Disziplinen hat er wichtige berühmte Bücher verfasst. In seiner Historie verarbeitete er teils sehr alte Quellen, die er häufig fast wörtlich zitierte. Zudem stellt er unterschiedliche Darstellungen eines Ereignis aus unterschiedlichen Quellen nebeneinander, ohne sie zu bewerten. Die Historie von at-Tabari ist daher ebenfalls eine wichtige, ergänzende Quelle zum Leben des Propheten Muhammad.

Berichte über Feldzüge des Propheten: Maghazi-Literatur

Muhammad Ibn Umar al-Waqidi (gest. 823) hat sich in seinem Buch auf Muhammads Feldzüge (arab.: kitab al-maghazi) konzentriert. Er schilderte damit viel ausführlicher als andere Werke die medinensische Zeit des Propheten und überlieferte zahlreiche Quellen. Im Gegensatz zu Ibn Ishaq schmückte al-Waqidi die überlieferten Berichte sprachlich aus und gestaltete sie damit verständlicher. Al-Waqidi wurde damit zu einem Vorbild für viele nachfolgende Autoren, die eine Biografie des Propheten Muhammad sprachlich besonders schön zu gestalten versuchten.

Die Klassenbücher: Kutub at-tabaqat

Muhammad Ibn Sa’d (gest. 845) war der Sekretär und Schüler von al-Waqidi. Ibn Sa’d gestaltete ebenfalls eine neue Art Literatur, indem er eine umfangreiche Sammlung von Biografien über Prophetengefährten (arab.: sahaba) und ihre Nachfolger (arab.: tabi’un) zusammentrug. Diese Literatur wird seitdem als Klassenbücher bezeichnet, da mit Klassen verschiedene Personengruppen aus dem Umfeld des Propheten bezeichnet wurden. Einen Band seiner Sammlung hat er sogar vollständig Frauen gewidmet, was deutlich zeigt, dass auch sie wichtige Vermittlerinnen der islamischen Überlieferungen sind. In seiner Einleitung zu der Sammlung fügte Ibn Sa’d eine umfangreiche Biografie des Propheten Muhammads ein, die als der älteste noch ursprünglich erhaltene Text einer Lebensbeschreibung des Propheten gilt.

Aktuelle Biografien über Muhammad haben wir in einer Liste zusammengestellt.

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