Wie dürfen Musliminnen Sport treiben?

Obwohl heutzutage weltweit Musliminnen Sport treiben, gibt es Muslime, die ihnen generell Sport verbieten. Sie berufen sich auf Koran und Sunna. Doch diese Quellen betonen auch die religiöse Pflicht aller Muslime, ihren Körper fit und gesund zu halten. Die Antworten muslimischer Gelehrte fallen daher sehr unterschiedlich aus. Ihr Rat ist auch von den Traditionen und der Kultur des jeweiligen Landes bestimmt.

Strittige Fragen sind vor allem die Bekleidungsvorschriften und die Bedingungen unter denen Musliminnen sportlich aktiv sein sollten. Viele Musliminnen entscheiden daher selbst, wie sie ihren Sport vor Gott verantworten.

Koran und Sunna fordern Fitness für Frauen

Koran und Sunna kennen die heutigen Formen des modernen Sports nicht. In ihren Texten werden aber sportähnliche Aktivitäten geschildert. Deren Beherrschung war zum Überleben der Menschen vor 1.400 Jahren notwendig. Es sind vor allem Fähigkeiten, die Männer auf den Kampf vorbereiten.

Frauen werden dagegen selten erwähnt. Prominent sind jedoch Hadithe, die von zwei Wettrennen zwischen dem Propheten Muhammad und seiner jungen Frau Aisha berichten. Beim ersten Rennen siegt Aisha. Das zweite Rennen gewinnt der Prophet, da Aisha zu dick geworden ist. Frauen und Kindern wird in der Sunna zudem empfohlen, Bogenschießen, Schwimmen und Wurfsportarten zu üben.

(Quelle: Dahl. Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Berlin 2008. S.223f.)
(Quelle: 2010: Islam and Islamic Culture: Earliest Foreign Influences on Physical. Activity in Pre-Colonial East Africa, The International Journal of the History of Sport, 27:5, S. 799ff. http://dx.doi.org/10.1080/09523361003625857)

Koran und Sunna betonen jedoch auch ganz allgemein die körperliche Fitness für Männer und Frauen: Ein gutes Körpergefühl, gute Bildung und Glauben hängen im Islam eng miteinander zusammen. Fitness ist eine wichtige Voraussetzung für ein muslimisches Leben.

(Quelle: Dahl. Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Berlin 2008. S. 193-199)

Regeln für den Sport von Musliminnen

Islamische Gelehrte stellen zusätzliche Regeln auf. Einige Regeln betreffen Männer und Frauen gemeinsam, doch die Regeln für Frauen sind umfangreicher.

Sie betreffen die Geschlechtertrennung, Bekleidungsvorschriften und das Tragen des Kopftuches, können hierbei jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. Muslimische Sportlerinnen wählen daher häufig ihren eigenen persönlichen Weg, den sie vor Gott verantworten können.

Die von islamischen Gelehrten geforderten Regeln haben dazu geführt, dass einige Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung internationale „islamische“ Sportveranstaltungen organisieren: Saudi-Arabien veranstaltete im Jahr 2005 die „Islamic Solidarity Games“ mit ausschließlich männlichen Sportlern. Frauen durften jedoch zuschauen und die Teilnahme von Sportlerinnen wurde für die nächsten Spiele in Aussicht gestellt. Der Iran veranstaltete in den Jahren 1993 bis 2005 viermal die „Islamic Women’s Games“.

(Quellen: Wikipedia; Dahl: Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Berlin 2008. S. 206-207, 226)

Dürfen Musliminnen Fahrrad fahren?

Hier ein Beispiel für unterschiedliche Interpretationen von muslimischen Gelehrten:
2013 erlaubt die saudische Religionspolizei das Fahrradfahren für Frauen, aber: Es ist nur in öffentlichen Parks und am Strand erlaubt. Die Frauen müssen verschleiert sein und von einem Mann begleitet werden. Sie dürfen nur zum Vergnügen Rad fahren und es nicht zur Fortbewegung nutzen.

Die Gelehrtenschule von Deoband in Indien beschließt dagegen ein Fahrradfahrverbot für alle Mädchen ab 13 Jahren. Indien ist ein Land, in dem seit langem fast jeder Fahrrad fährt. Viele muslimische Gelehrte außerhalb der Schule von Deoband halten dieses Urteil für lächerlich.

(Quelle: Damir-Geilsdorf, Menzfeld, Pelican (Hg.), Islam und Sport, 2014, S. 10-11)

Musliminnen im Leistungssport

Frauen aus überwiegend muslimischen Ländern erzielen im modernen Leistungssport immer wieder herausragende Erfolge. Zu den Ersten zählen die Marokkanerin Nawal El Moutawakel, die 1984 olympisches Gold über 200 m Hürden gewann und die Algerierin Hassiba Boulmerka, Olympiasiegerin über 1.500 m im Jahr 1992. Einige Länder haben Sportlerinnen erst sehr spät zu olympischen Spielen entsandt, z.B.: Saudi-Arabien, Qatar und Brunei erstmals 2012 für London.

Muslimische Sportlerinnen übernehmen häufig Vorbildfunktion im Kampf der muslimischen Frauen um mehr Anerkennung, Freiheiten und Gleichberechtigung. Häufig sind zudem die Trainingsbedingungen im eigenen Land nicht ideal, da die landeseigenen Verbände Frauen sogar behindern. In Algerien führten Todesdrohungen Hassiba Boulmerka sogar dazu, dass sie im Ausland trainierte.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hassiba_Boulmerka)

Welche Schwierigkeiten eine muslimische Leistungssportlerin bewältigen muss, davon berichtet auch die iranische Eiskletterin Zohreh Abdollah Khani. Sie lebt weiterhin im Iran, um dort die Sportkultur für Frauen weiter zu entwickeln. Durch die Arbeit dieser engagierten Frauen nimmt die Zahl der muslimischen Sportlerinnen weiter zu. Die Trainingsmöglichkeiten im eigenen Land verbessern sich allmählich. Selbst in Saudi-Arabien ist es nun für Frauen möglich, Sport zu treiben, wie z.B. Basketball in Dschidda.

(Quelle: https://www.bergfreunde.de/basislager/zohreh-abdollahkhani-irans-beste-eiskletterin)
(Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Women%2527s_sport_in_Saudi_Arabia?oldid=752971729)
(Quelle: https://www.zdf.de/politik/auslandsjournal/auslandsjournal-die-doku-116.html)
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