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Welche Kleidung darf eine Muslimin beim Sport tragen?

Muslimische Sportlerinnen haben unterschiedliche Antworten auf diese Fragen gefunden. Einige treten auf internationalen Wettkämpfen in den allgemein üblichen Sportkleidungen auf. Andere ziehen sich so an, wie es ihrer muslimischen Überzeugung oder den moralischen Maßstäben ihres Landes entspricht.

Die Antworten islamischer Gelehrter auf diese Frage unterscheiden sich sehr. Sie sind auch durch die Kultur und die Traditionen der jeweiligen Länder stark geprägt. Zentrale Themen der Diskussion sind die Bekleidung, das Kopftuch und die Bedingungen der Veranstaltung.

Die `awra der Muslimin

Zentral für muslimische Bekleidungsvorschriften ist der arabische Begriff `awra, der im Sinne von Genitalien bzw. Scham verwendet wird. Bereits über die Deutung, was alles als `awra zu betrachten ist, sind sich islamische Gelehrte uneinig. Entsprechend weichen ihre Urteile über eine angemessene Kleidung voneinander ab.

Hadith-Sammlungen handeln meistens von der `awra des Mannes. Grundsätzlich gilt für Männer und für Frauen, dass sie sich anständig kleiden. Häufig wird auf den Koran verwiesen, wie z.B.: Sure 24,31; 33, 59 und 24, 30.

(Quelle: Dahl. Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Berlin 2008. S. 221ff.)

Diskutiert wird jedoch überwiegend die `awra der Frau. So stellen islamische Gelehrte umfassendere Bekleidungsvorschriften für Frauen auf als für Männer. Ihre Urteile sind nicht einheitlich: Einige fordern die Bedeckung des gesamten Körpers mit Ausnahme von Händen, Füßen und Gesicht. Noch weitreichender interpretieren wahhabitische Gelehrte oder Salafisten die `awra. Für sie gehören auch die Hände, Füße und sogar die Stimme der Frau zur `awra, die bedeckt bleiben müssen. Häufig verbieten sie zudem pauschal Frauensport, so dass die Fragen und Probleme muslimischer Sportlerinnen für sie kein Thema sind.

(Quelle: Damir-Geilsdorf, Menzfeld, Pelican (Hg.), Islam und Sport, 2014, S. 10-11)

Hijood und Burkini

In Deutschland gibt es eine Debatte über den gleichgeschlechtlichen Schwimmunterricht in Schulen. Sie betrifft die strittige Frage um die Geschlechtertrennung und eine angemessene Bedeckung des Körpers. Eine elegante Lösung sind hier Hijood und Burkini. Außerhalb der Schule sind getrennte Schwimmtage für Frauen und Männer sowie spezielle Sportclubs für Frauen weitere interessante Optionen. Diese Angebote werden auch gerne von nichtmuslimischen Frauen angenommen.

Einige Musliminnen halten hingegen eine umfangreiche Bedeckung und das Kopftuch beim Sport nicht für nötig. Nada Arakji, die erste Schwimmerin aus Qatar, die bei den olympischen Spielen 2012 teilnahm, schwamm im üblichen Schwimmanzug.

Eine ganz persönliche Antwort hat z.B. die ägyptische Schwimmerin Rania Elwani gefunden. Sie nahm an den Olympischen Spielen von 1992 bis 2000 teil. In ihrer aktiven Zeit trug sie einen international üblichen Schwimmanzug. Als IOC Mitglied trägt sie nun jedoch Kopftuch.

(Quellen: Damir-Geilsdorf, Menzfeld, Pelican (Hg.), Islam und Sport, 2014, S. 14, 15, 21. Quellen: Dahl: Zum Verständnis von Körper, Bewegung und Sport in Christentum, Islam und Buddhismus. Berlin 2008, S. 224) (Quelle: http://www.cmu.edu/homepage/society/2012/summer/olympic-ties.shtml)

Das Kopftuch im Sport

Weder die Geschlechtertrennung noch das Tragen eines Kopftuches sind durch den Koran eindeutig vorgeschrieben. Ihre Begründungen resultieren vielmehr aus der Interpretation der Sunna. Ob eine Muslimin ein Kopftuch tragen muss, darüber sind sich die verschiedenen muslimischen Strömungen nicht einig. In vielen Ländern gehört das Tragen eines Kopftuches jedoch zur Kultur und Tradition.

Auf die unterschiedlichen Deutungen und Bedeutungen des Kopftuches und auf das Recht auf ungestörte Religionsausübung in Deutschland hat am 22.01.2004 der damalige Bundespräsident Johannes Rau hingewiesen.

(Quelle: Damir-Geilsdorf, Menzfeld, Pelican (Hg.), Islam und Sport, 2014, S. 17). (Quelle: http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/Magazin/SchwerpunktKopftuch/Koran/koran-node.html)

Kopftuch tragende Sportlerinnen sind stark von den unterschiedlichen Deutungen des Kopftuchs betroffen. So schwanken die Entscheidungen der Sportverbände und internationalen Organisationen zwischen Verbot und Zulassung. Musliminnen können an Veranstaltungen nicht teilnehmen oder müssen sogar auf andere Sportarten ausweichen. Hier einige Beispiele:

Der Weltfußballverband FIFA hat im Jahr 2007 ein Kopftuchverbot erlassen, das er im Jahr 2010 wieder aufgehoben hat. Der Weltbasketballverband FIBA hat auf Intervention der Präsidenten des asiatischen Olympischen Rates, Schaykh as-Sabah, im Jahr 2015 die Regeln gegen Kopftuchträgerinnen geändert. Der Deutsche Basketballbund DBB bleibt dagegen bei seinem Ausschluss von Kopftuchträgerinnen. Der DBB sieht im Kopftuch eine Gefahrenquelle für Verletzungen, obwohl spezielle Sportkopftücher eine Lösung sein können.

(Quelle: Damir-Geilsdorf, Menzfeld, Pelican (Hg.), Islam und Sport, 2014, S. 7, 15 ff.)

Flexibel zeigt sich mittlerweile die olympische Bewegung. Zahlreiche Sportverbände lassen nun stärker verhüllende Kleidung oder das Kopftuch zu. Das eröffnet auch Musliminnen, die mit Kopftuch oder in verhüllender Kleidung antreten möchten, neue Sportarten. So hat der Beach-Volleyball Verband seine Regeln gelockert. Sportlerinnen müssen nicht mehr im Bikini antreten. An den Olympischen Spielen in Rio konnte dadurch ein ägyptisches Beach-Volleyball Duo teilnehmen. Die beiden Sportlerinnen sind zudem ein Beispiel für unterschiedliche persönliche Überzeugungen: Eine Sportlerin trug Kopftuch, während ihre Partnerin ohne Kopftuch antrat.

(Quelle: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportlerinnen-mit-kopftuch-und-bikini-bei-olympia-2016-in-rio-14381165.html)

Seit einigen Jahren bieten neu gegründete Firmen spezielle Sportbekleidung für muslimische Frauen an, die auch von nichtmuslimischen Frauen genutzt werden. Ein Trend, den mittlerweile auch führende Sportartikelhersteller aufgreifen.

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