Imam – das Imamat

In der wortwörtlichen Übersetzung bedeutet das arabische Wort Imam: „Vorsteher, Anführer, Vorbild“.

Der Begriff Imam im Koran

Der Begriff Imam ist im Koran an 12 Stellen zu finden: z. B. Sure 2:124 oder Sure 21:73 im Sinne, dass Gott Abraham bzw. Isaak und Jakob zu Imamen erwählt hat. Der Begriff wird jedoch auch im Sinne von „Richtschnur“ verwendet, wenn im Koran z. B. das Buch Moses in Sure 11:17 und Sure 46:12 erwähnt wird.

Drei Bedeutungen für Imam

Drei Bedeutungen bestimmen das islamische Verständnis des Begriffes Imam:

  • Im sunnitischen Verständnis ist ein Imam der Leiter des Gottesdienstes in der Moschee. Darüber hinaus kann ein Imam dort auch als Seelsorger und Leiter der Gemeinde fest eingestellt sein.
  • Zudem bezeichnen Sunniten auch herausragende Gelehrte als Imam im Sinne eines Ehrentitels.
  • Im schiitischen Verständnis dürfen nur Nachfahren aus der Familie des Propheten (arab. ahl al-bayt) den Titel Imam führen. Hinzu kommt, neben den religiösen Aufgaben, auch ein politisches Verständnis als rechtmäßiger Regent der Muslime. Die zahlreichen unterschiedlichen schiitischen Strömungen haben daher auch, je nach ihrem Verständnis, verschiedene Lehren über das Amt des Imams (arab. Imamat) entwickelt.

Imam im sunnitischen Verständnis

Imame in sunnitischen Gemeinden leiten die Versammlung der Betenden durch das tägliche Gebet. So gilt bereits in einem kleinen Kreis von Betenden derjenige als Imam, der von den anderen zur Anleitung des Gebetes bestimmt wird. In Moscheen ist ein Imam fest in das Amt eingesetzt. Gelehrte mit einer hohen Reputation, insbesondere die Gründer der vier sunnitischen Rechtsschulen, werden ebenfalls von Sunniten als Imame bezeichnet.

Sunnitische Regenten, wie die frühen Umayyaden-Herrscher, beanspruchten ebenfalls den Titel Imam, um damit ihren Anspruch zur Geltung zu bringen, auch die religiösen Führer der muslimischen Gemeinschaft zu sein.

Sunnitische Bedingungen für die Herrschaft eines Imams als Kalif: Sunnitische Gelehrte haben Bedingungen entworfen, nach denen eine Persönlichkeit als Imam und Kalif gelten darf. Sieben Qualitäten sind notwendig:

  • persönliche Integrität,
  • umfassendes Wissen, dass zum Idschtihad befähigt
  • Hörvermögen, Sehkraft und Sprechvermögen
  • Körperliche Gesundheit und Bewegungsfähigkeit
  • Urteilskraft
  • Mut und Tapferkeit, Verteidigung, Dschihad im Sinne von Kampf
  • Abstammung von den Quraisch, dem führenden Stamm von Mekka, zu dem auch der Prophet Muhammad gehörte

Imam und Imamat im schiitischen Verständnis

Die unterschiedlichen Zweige des schiitischen Islams haben verschiedene Lehren vom Imamat und den Aufgaben und Qualitäten eines Imam’s entwickelt.
Im Verständnis der Zwölferschia und der Ismailiten sind Imame unfehlbare Persönlichkeiten, die von Gott in ihr Amt eingesetzt sind und die Gemeinschaft in allen religiösen und politischen Fragen des Lebens anführen sollen. Sie stammten vorzugsweise von den zwei Söhnen Ali’s und Fatima’s, Hasan und al-Husayn, ab.

Die Zaiditen in Jemen haben dagegen eine Imamatslehre entwickelt, in der alle Aliden das Recht haben, das Imamat zu übernehmen, wenn sie dazu qualifiziert sind. Die Imame der Zaiditen gelten nicht als unfehlbar und können keine Wunder wirken. Die Zaiditen akzeptieren auch nicht Lehren von einem entrückten Imam und einem wiederkehrenden Mahdi. So hat es in zahlreich mehrheitlich schiitischen Gebieten, wie z. B. im Norden von Jemen, in der Kaukasusregion, im Oman oder im persischen Raum, Imame als Regenten gegeben, die neben dem politischen Amt auch auf unterschiedliche Weisen spirituelle Aufgaben der religiösen Lehre und Leitung übernommen haben.

Quelle: Heinz Halm. Die Schia. Darmstadt 1988.