Iftar Fastenbrechen

FAQ zum Fasten und Monat Ramadan

1. Was heißt Ramadan wörtlich?

Der Begriff Ramadan kommt aus dem Arabischen und wird abgeleitet von dem Wortstamm ramida oder arramad, was „brennende Hitze“ und „Trockenheit“ bedeutet. Es ist auch eine Anspielung auf das Hitzegefühl im Magen durch den Durst. Viele muslimische Gelehrte haben das Wort so gedeutet, dass es die Sünden ausbrennt. Mystiker deuteten das Wort so, dass das Herz durch das Fasten aus Liebe vor dem Schöpfer brennt.

2. Warum fasten Muslime im Monat Ramadan?

Nach dem Koran, dem heiligen Buch des Islam, erhielt der Prophet Muhammad seine erste Offenbarung durch den Erzengel Gabriel im Monat des Ramadan (Sure 2, Vers 185). Das Fasten ist in erster Linie ein Gottesdienst und gehört (neben dem täglichen Gebet, der Pilgerfahrt nach Mekka, das Entrichten der Zakatabgabe und dem Aussprechen des Glaubensbekenntnis) zu den fünf Säulen des Islam. Durch das Fasten soll dem Körper und der Seele die Möglichkeit zur Auszeit gegeben werden. Viele Muslime intensivieren in diesem Monat die Rezitation des Koran, das Verrichten von freiwilligen Ritualgebeten (nawafil) und achten intensiver auf ihren Umgang mit ihren Mitmenschen. Das freiwillige nachmitternächtliche Tarawih-Gebet wird in vielen Moscheen, Häusern und Gemeinden zum gemeinschaftlichen und festlichen Erlebnis.

Der Monat Ramadan stellt für viele Muslime eine Zeit der Besinnung da – ein Rückzug aus dem täglichen Alltagsstress und eine Konzentration auf das Wesentliche. Viele Gläubige fühlen sich am Ende des Monats körperlich gesunder, stärker und seelisch reiner. Durch ramadanspezifische Rituale wie das Fasten, die Abgabe des Zakat al-fitr, eine besondere kleinere Spende im Ramadan, versuchen Gläubige Gott näherzukommen, ihre Spiritualität zu entfalten, Dankbarkeit für ihre Gesundheit zu empfinden und sich an die Vergänglichkeit des Weltlichen sowie ihre körperliche sowie geistige Bedürftigkeit an den Gaben Gottes erinnern.

3. Wer muss im Ramadan fasten?

Alle erwachsenen Muslime, die dazu in der Lage sind und nicht befürchten müssen, dass sie durch das Fasten körperlichen Schaden erleiden. (Sure 2, Vers 185)

4. Wer sollte im Ramadan nicht fasten?

Im Koran wird erlaubt, dass Kranke und Reisende das Fasten nachholen:

„… doch wer von euch erkrankt oder auf Reisen ist, für den ist eine Anzahl anderer Tage möglich. Gott will für euch das Leichte, das Schwere will er nicht für euch. Die Zahl sollt ihr erfüllen und Gott dafür rühmen, dass er euch geleitet hat. Vielleicht seid ihr ja dankbar.“

(Sure 2, Auszug aus Vers 185)

Auch finden sich zahlreiche Aussprüche des Propheten Muhammad in den Hadith Sammlungen, in denen der Prophet eindeutig zum Nachholen der Fastentage animierte, sofern diese Krankheiten und Reisen eine Belastung darstellten.

(Sahih al-Bukhari Hadith Nr. 1950)

5. Können Fastentage nachgeholt werden?

Muslime können verpasste Fastentage nachholen. Wenn sie gesundheitlich dazu nicht in der Lage sind, können sie diese Tage durch Armenspeisung oder Spenden ausgleichen. (Sure 2, Vers 185)

6. Wann darf man in den Nächten des Ramadans die letzte Mahlzeit einnehmen?

Fastenbeginn ist die zweite Morgendämmerung (al-fajr al-thani), die im letzten Drittel der Nacht auftritt. Sie wird auch als Suhur oder Sahur bezeichnet. Spätestens ab dem Zeitpunkt dürfen Muslime keine Nahrungsmittel mehr zu sich nehmen. Es ist nicht vorgeschrieben, dass man zum Sahur aufwacht und die letzte Mahlzeit zu sich nimmt, jedoch wird dazu in den Hadith-Werken ermutigt und sie wird in der Rechtslehre als „empfehlenswert“ (mustahabb) eingestuft. In vielen mehrheitlich muslimischen Ländern gibt es den traditionellen Wecktrommler bzw. Ramadantrommler (Musaḥḥir), der einen Rundgang durch die Straßen seines Vierteils macht, um die Menschen durch Rufgesänge, den sogenannten Ramazaniyes, zum Suhur zu wecken.

Das tägliche Fasten Ramadan beginnt mit der Morgendämmerung und endet bei Sonnenuntergang. Im Koran ist zu lesen:

„…Esst und trinkt, bis ihr im Morgengrauen einen weißen von einem schwarzen Faden unterschieden könnt. Setzt dann das Fasten bis zum Abend fort!“

(Sure 2, Auszug aus Vers 187)

Und im Sahih des al-Bukhari steht geschrieben:

Adyy Ibn Hatim berichtete:
„Als der Qur’an-Vers (2,187)…, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Offenbart wurde, nahm ich einen weißen und einen schwarzen Strick und legte die beiden unter mein Kopfkissen. In der Nacht verglich ich laufend die beiden gegeneinander und habe den Farbunterschied nicht erkannt. Als der Morgen anbrach, suchte ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, auf und erzählte ihm dies. Er sagte zu mir:
„Damit ist nur die Finsternis der Nacht und die Helligkeit des Tages gemeint!“ [1]

7. Gibt es besondere Bräuche im Monat Ramadan?

Viele Muslime besuchen sich gegenseitig zum Fastenbrechen und laden Freunde und Verwandte zu sich nach Hause ein. Viele Moscheen haben öffentliche gemeinsame Fastenbrechen. In Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung werden auch „Ramadan-zelte“ aufgebaut, in denen für die Öffentlichkeit und für Bedürftige Essen bereitgestellt wird.

Das Fasten wird oft mit einer Dattel gebrochen und dabei ein Gebet gesprochen. In den meisten Moscheen wird täglich gemeinsam ein dreißigstel des Koran vorrezitiert, sodass der Koran während des gesamten Monats ein Mal durchgelesen wird.

8. Fasten Muslime auch außerhalb des Fastenmonats Ramadan?

Ja. Muslime können freiwillig fasten. Der Monat Sha‘ban war ein bevorzugter Monat des Propheten Muhammad für weiteres Fasten. Auch wurde zum Fasten montags und donnerstags ermutigt.

9. Wann fand der erste Ramadan statt?

Da das religiöse Fasten den zur vorislamischen Zeit auf der Arabischen Halbinsel ansässigen Christen und Juden bekannt war, ist davon auszugehen, dass auch die Menschen in der mekkanischen Periode (610-622, die Zeit vor der Auswanderung des Propheten Muhammad nach Madina) um diese religiöse Praktik wussten.
Bevor das Fasten als religiöse Pflicht offenbart wurde, fastete der Prophet an drei Tagen des Monats und am Tage des Aschura. Die rund um Medina ansässigen Juden feierten an diesem Fest den Versöhnungstag, in dem sie von Sonnenuntergang bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages fasteten, und – nicht wie im Ramadan – lediglich den Tag über.

Im zweiten Jahr der Auswanderung nach Medina (624) wurden dann die Koranverse offenbart, die den Gläubigen das Fasten im Monat Ramadan vorschreiben:

„O ihr, die ihr glaubt. Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren – vielleicht seid ihr ja gottesfürchtig. An abgezählten Tagen.“

(Sure 2, Vers 183 – 184)

„Der Monat Ramadan, in dem herabkam der Koran – den Menschen als Geleit und als Beweis für das Geleit und die Entscheidung – wer in ihm zugegen ist, soll in ihm fasten, doch wer von euch erkrankt oder auf Reisen ist, für den ist eine Anzahl anderer Tage möglich. Gott will für euch das Leichte, das Schwere will er nicht für euch.“

(Sure 2, Vers 185)

10. Dürfen Muslim während des Ramadan küssen?

Nach allen bedeutenden islamischen Rechtsschulen dürfen Paare sich gegenseitig küssen und streicheln, solange dies nicht zum Geschlechtsverkehr führt. Wenn es dabei zum Samenerguss kommt, sollte der Fastentag nachgeholt werden.

11. Dürfen Muslime während des Ramadan Sex haben?

Während des Fastens wird Geschlechtsverkehr in allen Rechtsschulen als eindeutig verboten eingestuft. Allerdings endet dieses Verbot mit dem täglichem Fastenbrechen.
Dazu ist im Koran zu lesen:

„Euch ist erlaubt zur Fastenzeit, dass ihr des Nachts bei euren Frauen schlaft. Sie sind ein Kleid für euch und ihr ein Kleid für sie. Gott weiß, dass ihr euch selbst betrogen hattet. Da wandte er sich euch gütig zu, und er verzieh euch. Doch nun verkehrt mit Ihnen, und strebt nach dem, was euch Gott beschieden hat. Esst und trinkt, bis ihr im Morgengrauen einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt…“

(Sure 2, Vers 187)

Quellen:

[1] Auszüge aus dem Sahih al-Buhari. 12. verbesserte Auflage, Islamische Bibliothek, Düsseldorf 2012. S. 257, Hadith Nr. 1916.