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Welche Empfehlungen gibt die Evangelische Kirche zum Dialog mit Muslimen?

Für die evangelische Kirche ist der Dialog mit Muslimen ein sehr junges Phänomen. Erst mit den wachsenden Herausforderungen im Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen in Deutschland beginnt eine ernsthafte Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem Islam. Daher sind erst seit den 1990er Jahren zahlreiche Studien und Handreichungen zum Zusammenleben und zum Verhältnis der beiden Religionen veröffentlicht worden und einige gemeinsame Initiativen von Christen und Muslimen entstanden. So gestalten Muslime beispielsweise regelmäßig auf Evangelischen Kirchentagen Foren mit.

Folgende Leitlinien sind zentral für evangelische Christen in der Begegnung mit Muslimen:

Verzicht auf den Überlegenheitsanspruch des Christentums:

Zur Selbstverständlichkeit des heutigen Christentums gehört die unbedingte Achtung aller anderen Religionen. Keine Religion könne die alleinige Wahrheit für sich beanspruchen, sondern sei darauf angewiesen, dass Gottes Wahrheit Menschen zu tieferer Erkenntnis leite.

Interreligiöser Dialog ist Einsatz für den gesellschaftlichen Frieden:

Um ein konfliktarmes Zusammenleben zu gewährleisten und eine friedliche Gesellschaft zu schützen, ist der interreligiöse Dialog nach Ansicht der evangelischen Kirche notwendig. Daher übernimmt die evangelische Kirche Aufgaben der Integration und interkulturellen Verständigung, um Konflikte zu lösen und gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Jede Religion muss in ihrer Eigenart gesehen werden:

Dazu gehört eine differenzierte Wahrnehmung der anderen Religion sowie Respekt und Interesse für ihr Selbstverständnis.

Das Verhältnis zu anderen Religionen wird theologisch begründet:

Die eigene religiöse Identität sollte im Dialog nicht aufgegeben werden. Im interreligiösen Dialog werden vielmehr aus evangelischer Sicht die Ideale der jeweils anderen Religion betrachtet. Ein neutraler Standpunkt sei jedoch für Christen nicht möglich. Daher sollten christlich-theologische Differenzierungen im gemeinsamen Austausch leitend sein. Ein Kriterium ist z.B. die Rechtfertigung des Sünders durch das Evangelium von Jesus Christus und die Dreigliedrigkeit des christlichen Glaubensbekenntnisses.

Die im Dialog stehenden Gläubigen sind herausgefordert, die eigenen Überzeugungen so zu formulieren, dass sie auch von den denjenigen verstanden werden, die der jeweils anderen Religion angehören.

Kritische Rückfragen im Dialog:

Frieden und Verständigung sind im Verständnis der evangelischen Kirche wichtige Ziele im dialogischen Austausch. Dazu gehören auch kritische Rückfragen. Insbesondere religiöse Positionen und Praktiken, die als Gegensatz zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wahrgenommenen werden, müssten besprochen werden. So werden radikale Auffassungen, Intoleranz, Hass und die Missachtung der Menschenrechte leider auch im religiösen Gewand begründet und propagiert. Im Dialog sollte man jedoch immer auch die Machtverhältnisse und Konstellationen von Mehr- und Minderheiten berücksichtigen.

Zusammenarbeit der Religionen für das Wohl der Menschheit:

Die Bekämpfung von Armut wird nach Überzeugung der evangelischen Kirche von vielen Weltreligionen als das dringendste Problem der Menschheit angesehen. Gemeinsam sollten daher die verschiedenen Religionen der Welt immer wieder die Verantwortlichen dieser Welt an diese Aufgabe erinnern.

Quelle: Handbuch christlich-islamischer Dialog. Freiburg, Basel, Wien 2. Auflage 2016. Martin Affolderbach: Zugänge zum christlich-islamischen Dialog aus evangelischer Perspektive. S. 17-24-32.

Wichtige Quellen der evangelischen Kirche zum Dialog mit Muslimen